Was droppt Mullenweg morgen in seiner State- of-the-Word-Rede?
Blick in die Glaskugel: Eine Vorab-Analyse auf Basis der Roadmap
Morgen, am 2. Dezember 2025, richtet sich der Fokus der Web-Tech-Szene wieder auf San Francisco. Es ist Zeit für die „State of the Word“.
Wie jedes Jahr wird Matt Mullenweg auf die Bühne gehen. Man kann von dem Format halten, was man will, aber für jeden, der professionell mit WordPress arbeitet, ist das ein Pflichttermin.
Es geht hier nicht nur um ein Versions-Update auf 6.9, sondern um die langfristige strategische Ausrichtung des CMS-Marktführers. Basierend auf den Commits und Diskussionen der letzten zwölf Monate habe ich mal extrapoliert, was uns Matt morgen wahrscheinlich als den „State of the Union“ verkaufen wird. Und ehrlich gesagt, da sind ein paar Punkte dabei, die den Workflow massiv verändern könnten.
1. Collaboration: Gutenberg Phase 3 ist (endlich) Realität
Das Jahr 2025 stand im Zeichen der Synchronisation. Wir erwarten, dass Matt morgen den vorläufigen Abschluss der „Phase 3“ des Gutenberg-Projekts verkündet. Technisch gesehen ist das ein ziemlich dickes Brett.
Worüber wir hier reden, ist echte Real-Time Collaboration. Wer schon mal versucht hat, mit mehreren Leuten in einem klassischen CMS gleichzeitig an einem Content-Piece zu arbeiten, kennt den Schmerz. Das alte „Locking“-System („Dieser Beitrag wird gerade bearbeitet von…“) war ein Relikt aus Web 1.0-Zeiten. Jetzt ziehen wir endlich mit Standards gleich, die wir aus Google Docs oder Notion kennen.
Für Agenturen und Redaktionen ist das ein massiver Efficiency-Boost. Keine asynchronen Absprachen mehr, kein Überschreiben von Datenbank-Einträgen. Das Backend wird dynamisch. Das bedeutet aber auch, dass die Anforderungen an das Hosting steigen – die WebSocket-Verbindungen oder Heartbeat-APIs müssen sauber laufen, damit das live auch wirklich „live“ ist. Na ja, wurde auch Zeit.
2. Admin Experience: Data Views statt statischer Listen
Schaut man sich das WP-Admin der letzten zehn Jahre an, wirkt das im Vergleich zu modernen SaaS-Applikationen oft etwas angestaubt. Das ändert sich gerade grundlegend. Matt wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die neuen „Data Views“ in den Mittelpunkt stellen.
Wir bewegen uns weg von den starren PHP-generierten HTML-Tabellen hin zu flexiblen, JavaScript-basierten Ansichten. Das ist nicht nur Kosmetik. Es geht um Usability und Speed. Filtern, Sortieren, Quick Edits – alles passiert instant, ohne Page Reload.
Das Interface gleicht sich damit endlich dem Site Editor an. Das macht das System konsistenter, erfordert aber von Developern und Power-Usern ein Umdenken. Wer sich jahrelang auf die alten Hooks in der WP_List_Table verlassen hat, muss sich den neuen Code genau anschauen. Ist aber der richtige Schritt, um im „Enterprise“-Segment relevant zu bleiben.
3. Das Ökosystem: Politics und „Five for the Future“
Kommen wir zum Elefanten im Raum. Das letzte Jahr war, gelinde gesagt, turbulent. Die Auseinandersetzungen um Markenrechte und die Rolle großer Hosting-Provider (der Case mit WP Engine dürfte jedem bekannt sein) haben tiefe Gräben in der Community hinterlassen.
Ich gehe fest davon aus, dass Matt diesen Slot nutzen wird, um die Philosophie hinter „Five for the Future“ neu zu framen. Es wird ein Plädoyer für die Nachhaltigkeit von Open Source. Die Kernfrage ist: Wie verhindern wir die „Tragedy of the Commons“?
Wenn Firmen nur Ressourcen abziehen (extract), ohne zurückzugeben (contribute), kollabiert das Modell irgendwann. Er wird betonen, dass der Schutz der Marke und die aktive Beteiligung am Core überlebenswichtig sind, damit WordPress nicht zu einer reinen Commodity verkommt. Man darf gespannt sein, wie diplomatisch – oder direkt – er das formuliert.
4. KI und Phase 4: Native Mehrsprachigkeit
Natürlich, kein Tech-Talk 2025 ohne KI. Aber ich erwarte hier keine generischen Chatbot-Spielereien. Der Fokus wird auf „Agentic Development“ liegen – also smarte Interfaces, die beim Layouten und Coden assistieren, statt nur Textblöcke zu generieren. Pragmatische Tools, die den Dev-Cycle verkürzen.
Viel spannender finde ich aber den Ausblick auf Gutenberg Phase 4: Native Multilingual Support. Das ist eines der Features, die ich seit Jahren wünsche und in Podcast hier in da mal diskutiert habe. Jeder Homepagebaukasten hat Multilibgualität heute ab Bord.
Bisher musste man sich auf monströse Drittanbieter-Plugins verlassen, die oft die Performance der Datenbank killen und den Code aufblähen. Wenn der Core das nativ und performant abbilden kann, ändert das die Architektur vieler Projekte grundlegend. Matt wird hoffentlich erste konkrete Konzepte zeigen, wie die Datenstruktur dafür aussehen soll.
WordPress: Content Hub statt CMS?
5. Weit geworfen: WordPress als zentraler Datahub
Lass uns mal kurz den pragmatischen Boden verlassen und das Big Picture anschauen. Wenn man die Entwicklung der REST API und jetzt auch die Integration von GraphQL betrachtet, passiert da gerade etwas Spannendes: WordPress emanzipiert sich vom Frontend.
Die Vision – und das ist technisch absolut machbar – geht weg vom reinen „Website-Builder“ hin zu einem „Content Datahub“. Was meine ich damit? WordPress wird zur Single Source of Truth für Unternehmensdaten. Du pflegst deinen Content im WP-Admin, aber ausgespielt wird das Zeug nicht nur auf der Website, sondern via JSON-Schnittstellen direkt in die Mobile App, auf Smart-Screens am POS oder in interne Intranet-Dashboards.
Warum ist das relevant? Weil wir uns in einer Ära bewegen, in der Daten Silos aufgebrochen werden müssen. Wenn WordPress es schafft, native Felder und Custom Post Types so zu standardisieren, dass sie frontend-agnostisch funktionieren, dann reden wir nicht mehr nur über ein CMS. Dann reden wir über eine Middleware, die extrem flexibel und – im Gegensatz zu vielen Enterprise-Lösungen – Open Source ist. Das ist der Schritt in Richtung „Headless Architectures“, aber mit dem Komfort eines gewohnten Backends. Das wäre ein echter Gamechanger für die Systemlandschaft vieler KMUs.
6. Die Gretchenfrage: War’s das für den Hobby-Admin?
Bei all den High-Level-Features wie Real-Time-Collaboration und Data Views muss man aber auch mal kritisch nachhaken: Verabschiedet sich WordPress gerade klammheimlich von seiner ursprünglichen Basis – dem DIY-Einsteiger?
Die strategische Wette scheint zu sein: Die absoluten Beginners, die nur schnell eine Visitenkarte im Netz wollen, verliert man eh an die „Walled Gardens“ wie Wix oder Squarespace. Und das ist vielleicht okay so. WordPress positioniert sich neu als das Betriebssystem für das offene Web – professioneller, komplexer, mächtiger. Das bedeutet aber auch, dass die Rolle des „Webmasters“ oder der Agentur wieder wichtiger wird. Der Endanwender braucht jemanden, der ihm dieses Power-Tool konfiguriert. Man könnte sagen: WordPress wird erwachsen, und wie im echten Leben wird es damit leider auch ein bisschen komplizierter.
7. Vision: „WordPress for the Next Generation“
Matt hat bereits angedeutet, dass er an einer Vision für die nächste Generation von Nutzern arbeitet.
Schauen wir uns Full Site Editing (FSE) an. Das ist mächtig, keine Frage. Aber die Learning Curve ist mittlerweile steil. Früher hast du ein Theme installiert, fünf Minuten geklickt, fertig. Heute musst du Konzepte wie Block-Patterns, theme.json und Template-Hierarchien verstehen, um wirklich die Kontrolle zu haben. Das ist fast schon Low-Code-Development und hat mit dem einfachen „Blogging-Tool“ von 2010 nichts mehr zu tun.
Dies könnte einen Ausblick auf Gutenberg Phase 4 (Multilingual) beinhalten, das native Mehrsprachigkeit in den Core bringt – ein Feature, auf das die Community seit über einem Jahrzehnt wartet.
Zusammenfassung der erwarteten Agenda
- Ort: San Francisco (mit Watch-Partys, z.B. in seinem „TinkerTendo“ Warehouse).
- Release: Feier des WordPress 6.9 Releases (letztes großes Release des Jahres).
- Kernbotschaft: WordPress ist modern (durch Kollaboration & AI) und bleibt unabhängig (durch die Verteidigung gegen reine Profit-Akteure).
Fazit: WordPress im Enterprise-Modus
Der „State of the Word“ 2025 wird voraussichtlich bestätigen, dass WordPress den „Blogging“-Mantel endgültig abgelegt hat. Wir sehen hier die Evolution zu einer vollwertigen Application Platform für komplexe Corporate Workflows.
Es soll viele Watch-Parties geben und einen Livestream auf Youtube.
Für uns bei goneo heißt das: Wir müssen die Infrastruktur bereitstellen, die diesen neuen Stack trägt. Updates wie 6.9 sind keine einfachen Patches mehr, sondern System-Upgrades. Egal was Matt morgen droppt, wir sorgen dafür, dass der Server-Stack performt.
geloraindonesia
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